Karamellisierter Baumkuchen aus Nagoya

Die aufgemotzte Packung des Pudding-Baums

Die Seitenansicht der Verpackung

Eine Entdeckung auf der Autobahnraststätte

Auf einem Trip an den Biwa-See habe ich in der Provinz Shiga, genau gesagt auf der Autobahnraststätte Ibuki, einen Baumkuchen aus Nagoya, der Hauptstadt der Provinz Aichi, entdeckt: der „karamellisierte Pudding-Baum aus Nagoya“. So wird er als Souvenir beworben. Dass ein Baumkuchen aus Nagoya als Souvenir in der Provinz Shiga verkauft wird, hätte mich stutzig machen sollen, denn normalerweise kauft man Spezialitäten aus der Gegend und bringt sie Freunden und Verwandten mit. Etwa so, wie man in Deutschland früher Ansichtskarten aus der Gegend verschickt hat, in der man Urlaub gemacht hat.

Wer seine Urlaubszeit in Deutschland verbringt und mit Ansichtskarten vortäuscht, sie aus Italien zu verschicken, hat bestimmte Absichten. Wer also nach Shiga fährt, aber Souvenirs aus Aichi mitbringt … Genau!

Aber dem Bild auf der Verpackung und der Absurdität der Entdeckung konnte ich nicht widerstehen. So habe ich also eine Packung für den Eigengebrauch gekauft.

Die Verpackung

Die Verpackung ist sehr verlockend. Sie zeigt in der Draufsicht einen Baumkuchen, auf den eine Karamellsauce läuft. Darunter, die drei großen Schriftzeichen, das Wort Nagoya, flankiert von zwei Fischen. Diese Fische sind kein Hinweis darauf, dass Sashimi (roher Fisch) aus Nagoya besonders lecker ist, sondern es sind die Figuren der Orkas, die sich auch auf dem Dach des Schlosses von Nagoya befinden .

Verpackung von oben
Die Oberseite der Verpackung

Der Text darunter, in der Silbenschrift Katakana, besagt dasselbe wie der Text in lateinischen Buchstaben: Nagoya Pudding Carameliser Baum. Der Text rechts unten warnt, dass das Foto nur ein image sei. Im Deutschen würde man im gleichen Kontext von einem „Serviervorschlag“ sprechen. (Das hätte mich eigentlich stutzig machen sollen.)

Das Bild der Seitenansicht der Verpackung visualisiert noch einmal den Pudding sowie die karamellisierte Schicht auf dem Baumkuchen: Offensichtlich eine Art Crème brûlée, nur als Baumkuchen. In dem Text neben dem Bild wird dick aufgetragen: Da ist die Rede davon, dass „jede Schicht des Baumkuchens von ganzem Herzen vorsichtig gebacken wurde“. Die Herstellung wird dann detailliert beschrieben: In den Kuchen wurde die Karamell-Soße eingebracht und dann mit Zucker bestreut. Anschließend wird der Baumkuchen im Ofen karamellisiert. Und abschließend werden die Käufer aufgefordert: „Genießen Sie den Geschmack von Nagoya.“

Der Inhalt

Ich habe selten eine derartige Diskrepanz zwischen den Bildern auf der Packung und dem eigentlichen Inhalt gesehen wie bei dem Baumkuchen aus Nagoya.

Das Foto hat bei mir die Vorstellung erweckt, dass jedem Baumkuchen ein Tütchen mit Karamellsauce beigefügt sei. Etwa so, wie manchmal zu einem Jogurt eine Fruchtsauce gegeben wird. In der individuellen Plastikverpackung jedes kleinen Kuchens war jedoch lediglich ein gewöhnlicher Baumkuchen, dessen oberes Drittel offensichtlich bei der Herstellung mit Karamellsauce beträufelt worden war. Von einer karamellisierten Oberfläche, wie auf dem Bild, war nichts zu entdecken. Die Karamellsoße war auch nur in das erste Fünftel des Kuchens eingedrungen, darunter war es ein einfacher Baumkuchen. Der Karamellgeschmack war daher ziemlich flach. Was das Ganze dann noch mit einem Pudding zu tun haben soll, war völlig schleierhaft.

Letztlich ist es ein ziemlich gewöhnlicher Baumkuchen, der von den meisten Baumkuchen der 24-Stunden-Läden geschlagen wird.  

Ca. 120 Gramm Baumkuchen für ca. 5 Euro – das finde ich dazu noch etwas teuer. Wer jedoch eine schöne Zeit am Biwa-See in Shiga verbringen möchte, aber jemandem glauben machen möchte, er sei in Nagoya gewesen, muss wohl so viel ausgeben.

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