Vokabeltrainer des Cornelsen Verlags

Die bisher besprochenen Vokabeltrainer simulieren alle mehr oder weniger einen Karteikasten mit Karteikarten, die in verschiedene Fächer einsortiert werden, je nachdem, ob die Inhalte korrekt memoriert wurden oder nicht.

Dies ist nicht besonders innovativ, denn dieses Verfahren berücksichtigt nicht die besonderen Fähigkeiten eine Smartphones. Ein Smartphone kann mehr als nur ein Objekt der realen Welt mehr oder weniger realistisch als Grafik darstellen. Es kann feststellen, wo wir uns befinden, uns regelmäßig an etwas erinnern, Sprache in Text und Text in Sprache umwandeln und noch einiges mehr, das vielleicht für das Sprachelernen momentan nicht relevant ist.

Auf einen – kleinen – Teil dieser Fähigkeiten greift das Vokabelprogramm von Cornelsen zu.

INFO

Auf einen Blick

Plattform und Preis
studio [21] Vokabeltrainer für iPhone, iPad – für das Niveaus A1 5,99€
Inhalt
Vokabeln für das Niveau A1 des Europäischen Referenzrahmens
Modi
Tagestraining, Extratraining, Spiel, Erinnerungsfunktion
eigene Gestaltung
eigene Wörer können eingegeben werden, die Vokabeln können mit eigenen Bildern versehen werden
Empfehlung
Ein Programm mit umfassender Funktionsvielfalt und flexiblen Eingabemöglichkeiten. Die Möglichkeit, Vokabeln mit eigenen Bildern zu versehen ist ein interessantes Feature, dass auch lernwirksam werden kann. Der Zugriff auf die Erinnerungsfunktion des Smartphones (auch abschaltbar) ist ein richtiger Schritt in die Richtung, die Möglichkeiten der Smartphones für das Lernen nutzbar zu machen.

Mantel-App

Das Programm ist auf Bücher aus dem Hause Cornelsen ausgerichtet. Es bedient daher nicht nur Lerner für DaF, sondern auch Lernende anderer Sprachen (Bild 1). Das Programm selbst ist ein Container (oder eine Mantel-App, wie Cornelsen es formuliert), in den die Inhalte für auszuwählende Bücher des Cornelsen Verlags importiert werden können. Die Hilfetexte bedienen sich der direkten Anrede der Lernenden in der „Du“-Form. Das lässt darauf schließen, dass die Hauptzielgruppe dieser App tatsächlich eher Schulkinder als erwachsene Lerner sind.
Das Programm selbst ist kostenlos, für die jeweiligen Inhalte muss dann jedoch bezahlt werden. Für den Bereich DaF gibt es für das Buch studio 21 einen Testinhalt, der dieser Rezension zugrunde gelegen hat. Der Wortschatz für das Niveau A1 und A2 lässt sich als In-App-Kauf für je 4,99 Euro erwerben.
Die Benutzeroberfläche des Programms ist zeitgemäß gestaltet und bedient sich in der Regel allgemein etablierter Icons. Wer den Umgang mit Apps gewöhnt ist, wird sich sofort in dem Programm zurechtfinden.


Screenshots

  • Bild 1
    Bild 1
    Der Eröffnungsscreen des Vokabeltrainers.
  • Bild 2
    Bild 2
    Das Menü zeigt die verschiedenen Modi des Trainers.
  • Bild 3
    Bild 3
    Für den Modus "Tagestraining" können einzelne Themen, nach denen die Vokabeln sotiert wurden, ausgewählt werden.
  • Bild 4
    Bild 4
    Die Anzahl der Vokabeln für das Tagestraining sowie die Abfragerichtung können auf diesem Bildschirm eingestellt werden. Außerdem kann man hier entscheiden, ob man benachrichtigt werden möchte, falls man an einem Tag noch nicht den Trainer benutzt hat.
  • Bild 5
    Bild 5
    Am Ende des Tagestrainings wird eine Übersicht angezeigt. Man kann dort die Verteilung der unterschiedlich eingestuften Vokabeln erkennen.
  • Bild 6
    Bild 6
    Die Vorderseite einer "Karte" für das Tagestraining.
  • Bild 7
    Bild 7
    Die Rückseite einer "Karte" für das Tagestraining. Mit einem Klick auf die Icons unten rechts und links kann man sich einen Satz mit der Vokabel anzeigen bzw. die Vokabel vorlesen lassen.
  • Bild 8
    Bild 8
    Am Ende des Tagestrainings kann man entscheiden, ob man bestimmte Vokabeln wiederholen möchte.
  • Bild 9
    Bild 9
    Die Rückseite einer "Karte" für das Extratraining. Hier kann man nur zwischen "richtig" und "falsch" wählen. Außerdem kann man sich einen Kontext anzeigen und das Wort vorlesen lassen.
  • Bild 10
    Bild 10
    Der Spiel-Modus: Man muss möglichst schnell die richtige Übersetzung antippen. Wenn der Hintergrund mit den Kristallen, die herunterfallen, gefüllt ist, ist das Spiel zu Ende. Man spielt daher gegen den eigenen "Highscore".
  • Bild 11
    Bild 11
    Der Bildschirm des Wörterbuch-Modus.
  • Bild 12
    Bild 12
    Der Bildschirm der Gesamt-Statistik des Programms. Die Farben spiegeln die Wertungen des Tagestrainings wider.

Tagestraining

Der Funktionsumfang der App entfaltet sich durch ein ausklappbares Menü (Bild 2). Die Menüeinträge sind nahezu selbsterklärend. Das Lernen der Vokabeln beginnt mit dem Tagestraining. Darunter wird die einstellbare Anzahl der Vokabeln verstanden, die man jeden Tag lernen möchte. Diese Anzahl lässt sich mit einem Klick auf „Tagestraining Einstellungen“ (Bild 3) regeln. Es ist möglich, bis zu 50 Vokabelkarten als Tagesportion auszuwählen (Bild 4). Außerdem lässt sich auf diesem Bildschirm die Abfragerichtung einstellen. Hier verbirgt sich auch der am Anfang angedeutete Zugriff auf eine smartphonespezifische Fähigkeit, das Lernen zu unterstützen: Mittels eines Schiebereglers kann man bestimmen, ob man sich durch sein Telefon daran erinnern lassen möchte, dass man noch keine Vokabeln an diesem Tag gelernt hat. Es lässt sich darüber streiten, ob diese Funktion nützlich ist oder eher nervig. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Da man die Funktion hier auch abstellen kann, spricht m. E. nichts dagegen, sie anzubieten. Für manche Lernenden kann dieser Anstoß durchaus sinnvoll sein1.
Entsprechend dem ausgewählten Lehrbuch (Cornelsen Terminologie: „Schulbuch“; vgl. Bild 1) lässt sich dann die Auswahl weiter eingrenzen auf einzelne Kapitel und weiter noch auf einzelne Themen des Kapitels aus dem Lehrbuch. Nach dem Ende der Einstellungen kann man das Tagestraining starten (Bild 5).
Je nach Einstellung der Abfragerichtung (EN-DE oder DE-EN) wird eine Vokabel, oft mit einem Bild, präsentiert (Bild 6). Nach der der App zugrunde liegenden Erwartung, muss ein Lernender nun im Kopf diese Vokabel in die Ziel- oder Ausgangssprache übersetzen. Danach sollte er/sie auf die virtuelle Karte tippen, sodass die „Rückseite“ der Karte angesehen werden kann (Bild 7): Diese zeigt noch einmal das Bild sowie das Ausgangs- und das Zielwort. Der Lernende muss dann selbst auf einer fünfstufigen Skala entscheiden, mit welcher Qualität er/sie das Wissen über dieses Wort bewerten möchte. Die Skala reicht von nicht gewusst bis sehr gut. Die Benennung der Skala ist etwas merkwürdig, denn nicht gewusst steht eher sofort gewusst als sehr gut gegenüber und schwer steht leicht gegenüber. Die abweichende Begrifflichkeit ist irritierend und sollte bei einem Update geändert werden.
Durch ein Tipp auf das Icon am linken unteren Rand, kann man sich einen Kontext sowie grammatische Angaben zeigen lassen. Ein Klick auf das Lautsprecher-Icon spielt eine Audio-Datei ab, so dass man sich die Aussprache vorlesen lassen kann (vgl. Bild 7).
Ein weiteres interessantes Feature auf diesem Screen ist die Fähigkeit der App, das vorgegebene Bild durch ein eigenes Bild zu ersetzen bzw. sofern kein Bild vorhanden, ein Bild hinzuzufügen. So lassen sich lernerrelevante visuelle Kontexte erschaffen, die die Behaltensleistung u. U. verbessern können. Beispielsweise könnte die Vokabel Mädchen durch ein eigenes Foto (Selfie), aufgenommen mit der Kamera des Smartphones oder durch ein Foto der Freundin, das sich auf dem Smartphone befindet, ersetzt werden.
Nachdem die Karten des Tagestrainings durchgearbeitet wurden, wird eine Statistik angezeigt (Bild 8), mit der Option, die als schwer eingeordneten Karten oder alle Karten zu wiederholen.

Extratraining

Das Extratraining genannte Modul funktioniert wie das Tagestraining mit dem Unterschied, dass es keine Skala gibt, mit der man die Qualität bzw. Schnelligkeit der eigenen Übersetzung bewertet wird, sondern nur die Möglichkeit, die Übersetzung als richtig oder falsch einzustufen (Bild 9). Das Extratraining endet erst, wenn alle Übersetzungen korrekt waren. Die Ergebnisse fließen nicht in die Statistik des Tagesprogramms ein.

Spiel

Im Spiel-Modus wird eine Vokabel und dazu drei Übersetzungen angezeigt (Bild 10). Der Lerner soll möglichst schnell die richtige Übersetzung auswählen, damit die nächste Vokabel angezeigt werden kann. Im Hintergrund fallen Kristalle herunter. Wenn der Hintergrund mit Kristallen gefüllt ist, ist die Spielrunde beendet und man bekommt je nach gewusster Vokabelanzahl Punkte gutgeschrieben, die in einem sogenannten Highscore angezeigt werden:

Mit viel Spaß und dem Ehrgeiz, der dich packen wird, wirst du deinen persönlichen Highscore knacken.
(Quelle: Cornelsen)

Vielleicht liegt es an dem Alter des Rezensenten, das zu einem Generation-Gap im Hinblick auf die Zielgruppe der App führt – mich hat nicht der Ehrgeiz gepackt, sondern ich war durch die ewig gleiche Hintergrundmusik genervt, so dass ich nur widerstrebend das Spiel wiederholt habe, um die Funktionen auszutesten. Schüler mögen jedoch davon einigermaßen angetan sein.

Wörterbuch und eigener Wortschatz

Alle Wörter der App können im Wörterbuch-Modus in alphabetischer Reihenfolge mit einer Übersetzung und der Möglichkeit, sich das Wort vorsprechen zu lassen, angezeigt werden (Bild 11). Nachdem man einen Wortschatz erworben hat, lassen sich in dem Programm auch eigene Wörter eingeben und in den Lernprozess integrieren.

Statistik

Der Menüpunkt Statistik gibt einen Überblick über die Selbsteinstufung der Wörter, die gelernt werden sollten (Bild 12). Die Farben der Statistik entsprechen den Farben der Skala von nicht gewusst bis sehr gut, die im Tagestraining angezeigt werden.

Bewertung

Der Vokabeltrainer von Cornelsen ist optisch ansprechend und technisch ausgereift. Das Ensemble der Funktionen der App geht über die bisher besprochenen Programme hinaus:

  • automatische Erinnerungsfunktion
  • Integration von eigenen Bildern
  • Eingabe von eigenem Wortschatz
  • Lernen/Wiederholen im Spiel-Modus
  • Extratraining

Sofern man daran glaubt, dass das weitgehend kontextfreie Memorieren von muttersprachlichen und zielsprachlichen Vokabelgleichungen für das Erlernen von aktivem Wortschatz nützlich ist, kann diese App uneingeschränkt empfohlen werden.

  1. Vergleiche dazu die Nudging-Theorie von Thaler/Sunstein (2009): Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness. New York u.a. ↩︎

aktualisiert: 11.4.2017

Kommentar verfassen