Vokabeltrainer

Vokabeltrainer Goethe-Institut
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(eigenes Bild)

Einen Aufsatz zu zitieren, zumal im Zusammenhang mit Technologie, der 30 Jahre alt ist, gilt kaum als akzeptabel. Dennoch erscheint dieses Zitat angebracht, denn es hat leider nichts von der Wahrheit verloren, die es zur Zeit des Erscheinens besessen hat. Im Gegenteil: Es demonstriert, wie wenig sich in dieser Zeit verändert hat und gibt gleichzeitig einen Hinweis darauf, dass vielleicht ein so fortschrittliches und „cooles“ Medium in Wirklichkeit auch sehr konservativ sein kann:

Sinngemäß heißt es in dem Beitrag von Hope/Taylor/Pusack von 1985:

Gib einem Techniker den Auftrag, ein Programm zum Sprachenlernen zu schreiben, und er wird einen Vokabeltrainer programmieren.1

Auch jetzt noch sind die meisten Apps, die DaF-Verlage und andere Lehrinstitutionen herausbringen, sogenannte Vokabeltrainer. In loser Folge möchte ich hier einige dieser Vokabeltrainer besprechen und dabei überlegen, wie diese Apps für das Lernen von Vokabeln hilfreich sein können.

 Warum gehören Vokabeltrainer zu den beliebtesten Apps? Wer sich einmal mit Programmieren und Programmierern und der Schnittstelle Programmmierer und Didaktiker beschäftigt oder sogar selbst eigene Erfahrungen mit dieser Arbeit gesammelt hat, weiß, dass Programmierer bei ihrer Arbeit oft in Kategorien von Datenbanken denken. Programmierer stellen eine Technik, die Datenbank, zur Verfügung, die dann von den Didaktikern/Lehrpersonen mit Inhalt bestückt werden kann. Dazu kommen noch Grafiker, die das Ganze möglichst gut aussehen lassen. Diese Art der Zusammenarbeit ist am preisgünstigsten und am zeitökonomischsten. Jede betroffene Partei kann dabei weitgehend unabhängig arbeiten, Absprachen können auf ein Minimum beschränkt werden, denn die Form, d.h. die Struktur der Datenbank, bestimmt den Inhalt.

Anders bei einem freieren Design, das die Didaktik in den Vordergrund rückt: Aufwendiges Feedback, individuelle Aufgaben und Übungen, vielfältige Variationen von Screens kosten Geld, viel Geld. Denn dazu sind viele Absprachen und Sitzungen nötig. Die Programmierung kann u.U. nicht nur als Datenbank, die einfach ausgelesen wird, erfolgen. Darüber hinaus sie ist fehleranfällig, da die Antworten des Lernenden nicht eindeutig voraussagbar ist. Man muss viele Interaktionen bedenken und im Programmiercode abfangen. Das Programm muss zudem nach der vorläufigen Fertigstellung kostspielig getestet werden.

Daher sind Datenbanken des Programmierers liebstes Kind. Ein Programmierer muss die fehlerfreie Funktion des Programms garantieren. Je stringenter das konzipiert ist, desto übersichtlicher sind die Programmstrukturen und desto eher kann ein Programmierer Fehler ausschließen. Kreative Aufgabenvielfalt, die sich z.B. an Ergebnissen der Hirn- und Gedächtnisforschung orientiert, die verschiedene Medien miteinander kombiniert, die inhaltlich und optisch abwechslungsreich daherkommt, stört dabei.

Unterstützt werden die Techniker häufig von der Finanzabteilung der Firma und den Controllern, denn ein solches Programm ist finanziell überschaubar: Die Erstellung einer Datenbank ist kostengünstig, die Bestückung der Datenbank mit Wörtern und Phrasen kann durch Praktikanten vorgenommen werden, vielleicht kann sie sogar automatisch eingelesen werden, wenn das Sprachmaterial in einer bestimmten Form bereits vorliegt. Bestenfalls kann sogar damit ein zuvor schon erstelltes Glossar zweitverwertet werden, was dann den Aufwand noch kostengünstiger werden lässt. Und noch besser: Die Datenbank kann mit Material von anderen Sprachen gefüttert werden. D.h. nicht nur zwei, sondern viele Fliegen mit einer Klatsche. So etwas ist in der Finanzabteilung eher durchsetzbar als ein Lernprogramm, das individuell für einen einzigen Inhalt extra angefertigt wird.

Diese Konstellation, oder zumindest eine ähnliche, ist der Grund dafür, dass Vokabeltrainer nach wie vor zu den beliebtesten technischen Unterstützungen des Lernens gehören. Entscheidungen dafür sind weniger didaktisch geprägt. Im Hintergrund stehen aus den genannten Gründen finanzielle Risikoverringerung bei gleichzeitiger Präsenz in diesem „coolen“ Medium.

Der Unterschied der verschiedenen Vokabeltrainer resultiert dann aus

  • der Fehlerfreiheit der Technik und des Inhalts
  • der geschickten Präsentation des Lerninhalts, der trotz der zugrundeliegenden unflexiblen Datenbanktechnik motivierend und nachhaltig das Lernen und Behalten anregen soll
  • dem Inhalt des Datenmaterials
  • der Flexibilität, mit der sich der Inhalt an eigene Bedürfnisse der Lehrenden und/oder der Lernenden anpassen lässt.

In dieser lockeren Serie über Vokabeltrainer-Apps werde ich diese Kriterien als Maßstab zugrunde legen und versuchen, potentiellen Käufern Entscheidungshilfen zu geben, ob es sich lohnt, Geld und Zeit für die kleinen Programme zu investieren.


Literatur:

Hope, Geoffrey R. / Taylor, Heimy F. / Pusack James P.: „Der Einsatz von Computern im Fremdsprachenunterricht.“ In: Langenscheidt-Redaktion (Hg.): Computergestützter Fremdsprachenunterricht. Ein Handbuch. Berlin, München 1985, 7-66 (Fremdsprachenunterricht in Theorie und Praxis.)

 

  • 1 Da mir der Aufsatz nicht mehr vorliegt, muss ich aus dem Kopf zitieren.
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