Vokabeltrainer des Hueber Verlags

Anders als die bereits besprochenen Vokabeltrainer von Klett und dem Goethe-Institut, ist die Deutsch-Box von Hueber im skeuomorphistischem Design gehalten, d.h. auf der zweidimensionalen Oberfläche der App wird ein dreidimensionales Objekt aus der reellen Welt imitiert (Bild 1), nämlich ein Karteikasten mit den drei Registern Falsch, Neu und Richtig. Außerdem gibt es ein weiteres Register mit einem Papierkorbsymbol. Beim Aufruf der App wird man darauf aufmerksam gemacht, dass der leere Karteikasten mit Lernkarten zunächst aufgefüllt werden muss, bevor man mit ihm arbeiten kann.

INFO

Auf einen Blick

Plattform und Preis
Deutsch Box für iPhone, iPad – kostenlos, aber innerhalb der App müssen die Vokabeln für die Niveaus A1 (7,99€), A2 (5,99€) oder B1 (5,99€) kostenpflichtig erworben werden.
Inhalt
Vokabeln für die Niveaus A1 bis B1 des Europäischen Referenzrahmens
Modi
Lernen der Vokabeln nach Thema oder Wortart innerhalb des jeweiligen Niveaus
eigene Gestaltung
eigene Wörer können nicht eingegeben werden
Empfehlung
Wer den Wortschatz des GER für die Niveaus A1 bis B1 auf diese Art lernen möchte, liegt mit diesem Programm richtig. Allerdings ist es sehr unflexibel und die einzige Lernrichtung Muttersprache – Fremdsprache als didaktisches Prinzip fragwürdig.

 

Aufbau der App

Am unteren Rand des Bildschirms gibt es vier Symbole die beschriftet sind mit Module, Auswahl, Üben und Infos
Hinter dem Info-Symbol verbirgt sich das Impressum der App. Dieses Menü hat also keine weitere Bedeutung für den Umgang mit dem Programm.


Vokabeltrainer Deutsch Box
Bild 1 Hauptscreen der Deutsch Box
DeutschBox4
Bild 2 Auswahl der Module: Wer mit der Deutsch Box sinnvoll lernen möchte, muss innerhalb der App Module für die verschiedenen Niveaus erwerben.
Vokabeltrainer Deutsch Box
Bild 3 Auswahlmöglichkeiten für den Lernmodus: Man kann zwischen Lernen nach Wortarten, Themen, Schwierigkeitsgrad wählen. Außerdem lässt sich hier auch die Sprache für die Übersetzungen der Vokabeln, also den Lernimpuls sowie die Benutzeroberfläche einstellen.
Vokabeltrainer Deutsch Box
Bild 4 Impulsseite: Der Lernimpuls wird in der ausgewählten (Mutter)Sprache gezeigt. Bei der Auswahl Deutsch erscheinen dennoch die englischen Übersetzungen der Vokabeln. Eine Umkehr des Lernimpulses ist nicht möglich.
Vokabeltrainer Deutsch Box
Bild 5 Kontrollseite: Durch Tippen auf die Impulsseite erscheint die Kontrollseite mit Aussprache, Wortart, ggf. unregelmäßigen Formen, Trennung und Beispielkontext. Auf dem Niveau A1 kann man sich zusätzlich noch die Aussprache anhören.


Über das Menü Module erreicht man die Verlinkung zum App Store, über den man kostenpflichtig die vom Europäischen Referenzrahmen vorgegebenen Vokabeln für die Niveaus A1, A2 und B1 erwerben kann (Bild 2). Kostenlos gibt es einige Demovokabeln, mit denen man den Karteikasten zunächst einmal probeweise füllen kann. Die Preisgestaltung für das Modul A1 und die Module A2 und B2 sind verschieden. Da im ersten Modul noch Illustrationen vorhanden sind, ist es etwas teurer als die beiden anderen Module

„Die drei Module bauen aufeinander auf. Im Modul A1 wird das Lernen durch Bild und Ton unterstützt. In Modul A2 und B1 sind alle Lernwörter vertont.“
(Quelle: Hueber)

In dem Menü Auswahl lassen sich die Wortarten, die Themen, der Schwierigkeitsgrad und die Sprache einstellen. Zudem kann man dort nach einem bestimmten Wort suchen (Bild 3). Die Sprachauswahl bezieht sich auf die Oberfläche des Programms und die Übersetzung des deutschen Wortes auf der einen Seite der virtuellen Karteikarte. Letzteres ist jedoch für die ausgewählte Sprache Deutsch nicht konsequent umgesetzt, denn selbst wenn man Deutsch wählt, wird dennoch das Wort in Englisch wiedergegeben. Es gibt also nicht etwa eine deutsche Umschreibung, wie man auch erwarten könnte. Der Unterschied zwischen der Einstellung Deutsch und Englisch bezieht sich daher nur auf die Sprache der Benutzeroberfläche (Bild 4).
Der Modus Üben zeigt dann ein englisches Wort, oder je nach Sprachwahl, ein Wort in der ausgewählten Sprache, auf einer Karteikarte. Auf dem Niveau A1 wird zu diesem Wort noch zusätzlich eine Illustration sowie Informationen zur Wortart und Relevanz (z.B. Basiswortschatz) gezeigt. Tippt man auf die Karteikarte wird die deutsche Übersetzung, die Aussprache in phonetischer Schrift, Informationen zur Wortart und das Wort im Kontext mittels Beispielsätze gezeigt. Bei unregelmäßigen Verben werden zusätzlich noch die drei Formen angezeigt. Außerdem kann man sich das Wort vorlesen lassen, indem man auf das Lautsprechersymbol tippt. (Bild 5)
Die Lerner müssen dann entscheiden, was mit der Karteikarte geschehen soll. Es gibt vier Kategorien: Falsch, Neu, Richtig und einen Papierkorb. Das Lernprinzip hier basiert also auf einem eingeschränkten Leitner-Kasten mit vier Fächern. Je nach Auswahl wird die Karteikarte dann in diese Fächer eingeordnet.

Bewertung

Die App ist schön gestaltet und mit netten Animationen versehen. Allerdings ist die Funkionalität m.E. zu sehr eingeschränkt.

  • Es ist nicht möglich, sich die Inhalte der Fächer anzeigen zu lassen. Zu Beginn jeder Lernphase muss man sich entscheiden, welche Wörter man lernen möchte, indem man auf eine der Kategorien tippt. Danach werden alle Karteikarten in einem „Stapel“ präsentiert. Diesen Stapel muss man zunächst abarbeiten, bevor ein neuer Lerninhalt aufgerufen werden kann. Es ist also nicht möglich, bei geöffnetem Stapel Neu in den Stapel Falsch zu gelangen. Der Stapel Neu muss zunächst abgearbeitet werden.
  • Es ist in der App nicht möglich, eigene Karteikarten anzulegen. Die App ist streng darauf ausgerichtet, dass die vorgegebenen Module erworben und importiert werden. Dies ist aus Verlagssicht verständlich, denn die Entwicklungskosten der App müssen verdient werden, aber aus Lernersicht ist die App daher sehr unflexibel.
  • Die Lernrichtung lässt sich nicht umkehren. Es wird stets eine Vokabel in der ausgewählten Sprache angezeigt. Der Lerner muss das Wort in Deutsch erkennen. Warum nur diese Lernrichtung ermöglicht wurde, erschließt sich mir nicht.
  • Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass ich in dem vorgegebenen (kostenlosen) Beispielmaterial keine Fehler entdeckt habe. Die Beispielsätze sind als Prototypen verständlich und sinnhaft und die Illustrationen semantisieren die Bedeutung. Allerdings verstehe ich in diesem Zusammenhang erst recht nicht, dass die Lernrichtung nicht von Zielsprache auf Muttersprache umgestellt werden kann: Die Semantisierung durch die Illustrationen hätten in diesem Fall erst ihre Berechtigung. In meiner Muttersprache verstehe ich ja das Wort und brauche keine Illustration als Lern- oder Verständnishilfe.
  • Der Verzicht auf einen programmgenerierten und daher weitgehend sinnlosen Multiple-Choice-Quiz-Modus scheint mir berechtigt, wenn man berücksichtigt, zu welchen Ergebnissen dieser Modus bei den anderen besprochenen Apps führt.

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