Vokabeltrainer des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut ist die Institution für die Sprache und Kultur Deutschlands. In der Selbstwerbung heißt es kurz und bündig: „Sprache. Kultur. Deutschland.“ So auch auf der Startseite des Vokabeltrainers des Goethe-Instituts. Man darf also einiges erwarten. Der Vokabeltrainer wurde für das iPhone 6 bzw. iPad 4 mit iOS 8 und 9 getestet.

INFO

Auf einen Blick

Plattform und Preis
iPhone, iPad, Android – kostenlos
Inhalt
Vokabeln für DaF nach Niveau (A1-C2) geordnet
Modi
Lernen mit Karten, Muttersprache→Deutsch und umgekehrt sowie Deutsch-Deutsch
eigene Gestaltung
konnte nicht getestet werden, da das Programm dabei dauerhaft abgestürzt ist
Empfehlung
nicht installieren, da technisch unzulänglich und inhaltlich unausgereift; besser auf Alternativen zurückgreifen

Menüführung

Nach dem Öffnen gibt es drei Auswahlmöglichkeiten:

  • Lernen: startet den Lernmodus mit bereits vorhandenem Wortmaterial
  • Neue Inhalte: bietet die Möglichkeit, sich mit einer „GI Lernplattform“ zu vernetzen, eigene Inhalte einzutragen („Meine Inhalte“)
  • ein Menü namens „Titelsuche“.

Bild 1 Auswahl der Muttersprache: Tahitisch statt Thailändisch
Bild 2 Reproduzierbare Fehlermeldung bei Klick auf Titelsuche
Bild 3 Home-Bildschirm des Vokabeltrainers
Bild 4 Auswahl eines vorgegebenen Themas
Bild 5 Auswahl eines Titels bleibt unklar
Bild 6 Download des ausgewählten Themas
Bild 7 Lernmodi
Bild 8 Anzeige für die Verteilung der "gelernten" Karten
Bild 9 Lernmodus Deutsch-Muttersprache
Bild 10 Übersicht über die Lernergebnisse
Bild 11 Fehlerhafte Inhalte
Bild 12 Fehlerhafte Inhalte
Bild 13 Zweifelhafte Beispielsätze
Bild 14 Zweifelhafte Beispielsätze

Das Menü „Titelsuche“ führt zu einer Seite, auf der man die „Sprache für die Lernkarten“ auswählen soll. Es wird eine große Vielfalt von mit Deutsch gepaarten Sprachen angeboten. Meine Aufmerksamkeit erregt die Kombination Deutsch/Tahitisch (Bild 1). Hat das GI tatsächlich die Minderheit der ca. 150.000 Personen, die Tahitisch sprechen als Zielgruppe entdeckt? Wie viele davon wohl Deutsch lernen wollen? Wird gar demnächst ein GI in Tahiti eröffnet? Leider muss ich alle Tahitianer, die eventuell diese Rezension lesen, enttäuschen: Es handelt sich einfach um einen unglaublichen Fehler, denn gemeint ist Thailändisch. Peinlich! Zu allem Überfluss wird der Screenshot mit dieser Sprachauswahl auch noch auf der offiziellen Hilfeseiten des GI für den Vokabeltrainer stolz gezeigt. Der Screenshot wurde zudem so manipuliert, dass man ja Tahitisch sieht – vgl. Sie einmal das Alphabet dieses GI-Screenshots. Als letzte Sprache in der wirklich langen Liste wird noch Deutsch/Vietnamesich angeboten (Bild 1). Wie auf dem Screenshot zu erkennen ist, ist Vietnamesisch nicht zu sehen. Das liegt nicht etwa daran, dass der Screenshot schlecht ist, sondern daran, dass der letzte Eintrag in der Liste verdeckt ist, da die Programmierer nicht genügend Freiraum vorgesehen haben. Man kann die Liste zwar noch ein wenig nach oben schieben, sodass man Vietnamesisch dann sehen kann. Nimmt man jedoch den Finger vom Bildschirm, um Vietnamesisch anzutippen, springt die Sprache wieder zurück in ihre Deckung und bleibt verschwunden. Kurz: Vietnamesisch ist zwar vielleicht korrekt vorhanden, kann aber nicht ausgewählt werden. Ärgerlich! Um die Liste der offensichtlichen technischen Fehler abzuschließen: Der Klick auf „Titelsuche“ produzierte regelmäßig auf dem Rezensionssystem den Fehler von Bild 2. Jedoch nur jedesmal nach einem Neustart der App. Nachdem die Fehlermeldung einmal weggeklickt wurde, wurde beim nächsten Aufruf von „Titelsuche“ dieser Fehler nicht mehr angezeigt. Lästig, aber zu verschmerzen. Dennoch: Bei so vielen, teilweise gravierenden Fehlern, stellt sich mir die Frage, ob es eigentlich eine/n Projektleiter/in oder Lektor/in für dieses Projekt gab, die/der die Funktionalität der App einmal kritisch überprüft hat? Kaum vorstellbar.

Inhalte laden

Wenden wir uns im Folgenden den Inhalten zu. Wir starten vom Home-Bildschirm (Bild 3):

  • Neue Inhalte
  • Themensuche, Sprache: Deutsch/Englisch Niveau: A1
    • Angeboten wird dort das Thema „Mein Weg nach Deutschla…“ (Bild 4)
  • Niveau: A2, B1, C1
    • Angeboten wird dort nichts.
  • Niveau: B2
    • Angeboten wird dort „Beruf“

C2 kann aus den gleichen Gründen wie Vietnamesisch nicht ausgewählt werden. Man könnte auch statt der „Themensuche“ eine „Titelsuche“ starten. Es erscheint dann die Suchmaske von Bild 5. Die lässt, zumindest mich, ziemlich ratlos zurück: Welchen Suchbegriff soll ich da eingeben? Ich habe verschiedenes versucht: Sowohl allgemeine Begriffe (Tisch, Universität etc.) als auch Titel von DaF-Lehrwerken (Themen, studio d etc.), denn es ist ja eine Titelsuche. Beides führte zu keinem Ergebnis. Auch die Suche auf den offiziellen Internetseiten zu dieser App und der Klick auf den Link „Hilfe & Impressum“ innerhalb der App, klärten das Problem nicht, da es dazu keine Informationen gibt. Da mir meine Zeit zu schade für weiteres Herumrätseln war, habe ich schließlich aufgegeben. Gehen wir also zurück zu „Mein Weg nach Deutschland – Niveau A1“. Es werden elf Unterkapitel angeboten. Worin sie sich unterscheiden, ist nicht klar. Ich klicke daher auf das erste und werde auf einem weiteren Screen aufgefordert 74 Karten herunterzuladen (Bild 6). Danach stehen mir die Inhalte für das „Lernen“ zur Verfügung.

Lernen

Ein Klick auf „Lernen“ führt uns zu einer Bildschirmseite, auf der der Lernmodus sowie weitere, das Lernen betreffende Informationen, ausgewählt werden können (Bild 7). Auch dieser Trainer verfährt nach dem Leitner-Karteikartensystem, das schon früher beschrieben wurde. Alle Karten sind zunächst in der „Box 1“: Box anklicken, auf den Pfeil am rechten unteren Rand klicken und man kann mit dem Lernen beginnen (Bild 8). Gezeigt wird eine virtuelle Karteikarte, auf der eine Vokabel steht. Unter einem Mittenstrich darunter, ein Beispielsatz (Bild 9). Weiterhin kann man sich die Vokabel und den Beispielsatz vorlesen lassen. Die Aufgabe für den Lerner ist nun, die Vokabel in die ausgewählte (Mutter)Sprache zu übersetzen. Ob die Übersetzung richtig war, erfährt man nach einem Klick auf den Button „Drehen“ oder einer Wisch-Geste. Danach kann man unter drei Kategorien auswählen: „gewusst“, „nicht gewusst“ oder „unsicher“. Je nach Auswahl wandert die Karte in die nächste Box, verbleibt in der Box oder wandert in die Box „Nicht sicher“. Am Ende einer Lernphase, d.h. wenn die Vokabeln einer Box komplett bearbeitet wurden, wird eine Statistik angezeigt, die einen Überblick über die „Karteikarten“ der verschiedenen Boxen gibt (Bild 10). Neben etlichen Fehlern, die teilweise auf die schlechte Programmierung, zurückzuführen sind (Bilder11 und 12), gibt es wie in der Vokabelapp von Klett genügend fragliche Beispielsätze, die mich daran zweifeln lassen, ob man sinnvoll mit dieser App lernen kann. Ein besonders grasses Beispiel bei der Sprachpaarung Deutsch/Deutsch zeigt das Bild 14. Der Kontext ist wahrscheinlich das Märchen „Rotkäppchen“. Dennoch hätte man sicherlich ein etwas allgemeingültigeres Sprachbeispiel zur Erläuterung der Bedeutung von „schneiden“ finden können und auch m.E. sollen. Andere Beispiele enthalten unfreiwillige komische Elemente (Bild 13). Wie kommen solche Beispiele zustande? Werden sie automatisch generiert und anschließend nicht mehr von einem kompetenten Sprecher überprüft? Oder hat sich ein(e) Praktikant(in) damit abgeplagt? Leider gibt die Beschreibung des Programms auf den offieziellen Seiten der App dafür keine Antwort. Weiterhin gibt es vielleicht auch noch die Möglichkeit, eigene Inhalte einzutragen. Dies konnte ich nicht überprüfen, da bei den Versuchen dazu, das Programm nachvollziehbar und dauerhaft abgestürzt ist (iOS 9) Einen derart hartnäckigen, reproduzierbaren Absturz habe ich bisher noch bei keiner anderen App erlebt. An dieser Stelle war dann auch meine Geduld mit dem Vokabeltrainer des Goethe-Instituts zu Ende. Eine weitere Beschäftigung wäre eine Zeitverschwendung, die ich mir nicht antun möchte.

Zusammenfassung

Mein Rat an das GI: Ziehen Sie die App in der jetzigen Form zurück und lassen Sie sie inhaltlich und vor allem auch technisch überarbeiten.

Mein Rat an Interessenten: Verschwenden Sie nicht Ihren kostbaren Speicherplatz mit dem Vokabeltrainer des Goethe-Instituts. Er ist umständlich zu bedienen, technisch unzulänglich und inhaltlich bietet er nicht mehr als andere Vokabeltrainer, ist aber umständlicher zu bedienen. Da gibt es besseres auf dem Markt – u.a. den hier besprochenen Vokabeltrainer von Klett. Auch wenn man einen kleinen Betrag investieren muss.

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