Storytelling mit Adobe Spark Video

Studierende von Fremdsprachen, insbesondere solche, die im Muttersprachenland lernen, haben oft Hemmungen zu sprechen. Auch kommt das Sprechtraining im Kurs häufig schon allein aus Gründen der großen Anzahl der Teilnehmer zu kurz.

Die Überlegung war daher, ein Projekt zu initiieren, das die mündliche Ausdrucksfähigkeit stärken sollte. Die Studierenden hatten ein Semester Zeit, dieses Projekt zu verfertigen.

INFO

Auf einen Blick

Plattform und Preis
Adobe Spark Video für iPhone, iPad bzw. auf jedem PC; kostenlos
Ziel
Erstellen von Geschichten mit Bildern, Text und eigener Stimme
Kreativität
vorgegebene Designs, die die Spannungsbögen der Geschichten unterstützen; Designs nach der Intention der Geschichte wählbar, viele rechtefreie Fotos, Icons und Musik zur Auswahl, freie Gestaltungsmöglichkeiten mit eigenen Bildern und eigener Musik
Empfehlung
Die Lernkurve für das Programm ist sehr kurz und flach, die Lernenden haben damit schnell ein Erfolgserlebnis. Das Programm eignet sich sowohl für den Anfänger- (Niveau A) als auch für den Fortgeschrittenenunterricht (Niveau B/C). Es motiviert die Lernenden eine Geschichte in der fremden Sprache zu erzählen, die leicht veröffentlicht werden kann. Sehr empfehlenswert.

 
Unser Bemühen war nicht allein auf eine sprachliche Übung gerichtet, sondern das Projekt sollte eine pragmatische Relevanz für das Berufsleben nach dem Universitätsabschluss haben.
Damit alle beteiligten Lehrpersonen die Projekte sehen und bewerten konnten, musste das Ergebnis zudem einer (eingeschränkten) Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Die Wahl fiel auf die App Adobe Spark Video, die es erlaubt, das Ergebnis auf den Seiten von Adobe zu speichern, so dass jeder, der den entsprechenden Link kennt, die Präsentation einsehen kann. Zudem ist die App kostenlos. Die meisten unserer Studierenden arbeiten mit einem Smartphone unter iOS. Studierende mit Android-Systemen konnten ihre Präsentationen mit der Desktop-Version von Adobe Spark Video erstellen, die in jedem Browser lauffähig ist, ganz gleich, welches Betriebssystem man benutzt. Die Funktionalität ist die gleiche wie bei der App.
Adobe Spark Video liegt das Konzept des storytelling zugrunde: Die Studierenden sollen eine Geschichte erzählen. Diese Geschichte wird unterstützt durch Bilder und Texte. Die App unterstützt das Erzählen durch vorgegebene Gliederungen: Je nach Intention der „Story“ gibt es verschiedene Vorlagen, die bereits die Spannungsbögen der Präsentationen nahelegen und so implizit einen möglichen Aufbau der Präsentation unterstützen.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Die Nutzer wählen ein Bild, welches das Gesagte unterstützen. Das Bild, das selbst erstellt sein kann oder auch rechtefrei aus der Bilderbibliothek von Adobe gewählt werden kann, wird in die Vorlage eingefügt. Danach drückt man auf die Aufnahmetaste und spricht den Text. Die Aufnahme wird automatisch korrekt ausgepegelt über eine Hintergrundmusik gelegt. Die Hintergrundmusik kann ebenfalls aus einer Vielzahl von Vorgaben gewählt werden. Alternativ lässt sich auch Musik auswählen, die sich auf dem eigenen Smartphone befindet. Dabei sollte jedoch auf fremde Rechte geachtet werden. Falls die Aufnahme nicht gefällt, kann man den Aufnahmevorgang bis zur Zufriedenheit beliebig oft wiederholen.
Man fährt dann auf die gleiche Weise mit den nächsten Bildern und Aufnahmen fort, bis die Geschichte zu Ende erzählt ist. Der Sprechvorgang wird also in kleine Sequenzen geteilt. Man benötigt daher keinen langen Atem – selbst für eine lange Geschichte. D. h. auf der anderen Seite, dass man mit der Geschichte anfangen kann, sie u. U. unterbricht und wieder an einem anderen Tag aufnimmt und daran weiterarbeitet.
Die Technik tritt weitestgehend in den Hintergrund. Die Studierenden können ihre Zeit und Energie in den Inhalt ihrer Präsentation stecken. Ihre eigentliche Aufgabe ist zunächst zu entscheiden, welche Geschichte sie erzählen möchten. Als zweiten Schritt, müssen sie diese Geschichte in einzelne Teile unterteilen, zu denen jeweils ein aussagekräftiges Bild, sowie unterstüztende Texte zugeordnet werden sollte. Abschließend wird diesen Bild/Text-Elementen die Narration zugeordnet.
Die Studierenden bereiten ihre Präsentation daher sinnvollerweise mit einer dreispaltigen Tabelle vor: Die Spalten enthalten den Narrationstext, den Text, der die Narration oder die visuelle Information zusätzlich unterstützt sowie eine Spalte mit der Beschreibung des Bildes bzw., sofern das Bild schon gefunden wurde, mit dem Bild.
Gegenüber der einfachen Aufnahme der eigenen Stimme in einer Tondatei, hat die Arbeit mit dieser App verschiedene Vorteile:

  • Die Studierenden haben mit dieser App schnell ein Erfolgserlebnis: Ihre Stimme wird in einen Klangteppich eingebettet und professionell ausgepegelt, ohne dass besondere Kenntnisse dafür erforderlich sind. Kleinere sprachliche Unsauberheiten werden durch den Klangteppich überdeckt.
  • Die Anspannung und Angst vor dem Mikrofon wird minimiert, da man jederzeit die kurzen Sequenzen für ein Bild neu sprechen kann.
  • Die Designs sind sehr ansprechend. Dadurch lassen sich ohne Mühe gut aussehende Präsentationen erstellen. Wer mehr Zeit investieren möchte, kann die Designs auch in vielfältiger Weise nach dem eigenen Geschmack verändern.
  • Schließlich lassen sich die Projekte auch sehr einfach teilen: Man muss nur den Link zu dem Projekt versenden – sofort können die Empfänger der Links das Projekt in jeder Phase ansehen. Die Studierenden müssen daher nicht alleine, nur für die Note, arbeiten, sondern können Freunden und Kommilitonen ihr Projekt vorstellen. Ja, es ist sogar denkbar, dass die Studierenden bei der Arbeitssuche den Link in ihr Portfolio aufnehmen, mit dem sie sich bei Firmen bewerben.

Die folgenden Beispiele wurden von japanischen Studierenden erstellt. Die Studierenden befinden sich im dritten Semester (zweites Studienjahr), ungefähr auf der Stufe A2.
Die Aufgabe bestand darin, ein japanisches Produkt vorzustellen, das es in Deutschland noch nicht gibt.
Die Idee dahinter war, dass die Studierenden auch nach Ihrem Abschluss an der Universität in die Situation kommen können, eine Produktvorstellung zu machen. Unsere Studierenden arbeiten häufig in Firmen, die in irgendeiner Weise mit der Autoindustrie zu tun haben. Im Zuge ihrer Arbeit ist daher eine Produktvorstellung im Bereich des Vorstellbaren.
Wenn Sie die Links aufrufen, haben Sie bitte einen Moment Geduld. Die eingebetteten Videos werden von dem Adobe-Server geladen.

  1. Das leichte Auto„: Der Student stellt eine besondere Autokategorie vor, die eine Besonderheit von Japan ist. Am Ende seiner Geschichte gibt es eine überraschende Wendung.
  2. Tatami„: Tatami ist der traditionelle Bodenbelag aus dicken Binsenmatten. Die Studentin erzählt in ihrer Geschichte über die Vorteile der Tatami und was man außer einem Bodenbelag noch aus Tatami machen kann.
  3. Bento-Box„: Eine Bento-Box ist ein Behältnis zum Transport von Essen, z. B. von dem eigenen Mittagessen, das man zum Arbeitsplatz oder zur Uni bzw. in die Schule damit transportieren kann. Die Studentin erzählt von der Formenvielfalt und den zahlreichen Funktionen dieser Schachteln.

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