Der Erdbeerbaumkuchen: begrenzt verfügbar

Erdbeer-Baumkuchen in Japan

Ganz schnell, ehe es zu spät ist: In Japan beginnt die Erdbeerzeit um Weihnachten herum, denn der Weihnachtskuchen ist ein Sahne-Erdbeer-Biskuitteig-Kuchen. Die Saison geht bis etwa Ende Mai. Von Weihnachten bis Mai wird man mit Erdbeerprodukten überschüttet. Natürlich auch mit frischen Erdbeeren. Aber alles, was nicht frisch gegessen werden kann, wird verarbeitet. Zum Beispiel zu Erdbeer-Baumkuchen.


Lebensmittel, die in Japan rot sind, enthalten Erdbeeren, solche, die gelb sind, enthalten Mangos und solche die grün sind, wurden hergestellt unter Verwendung von … nun was? Natürlich: unter Verwendung von Tee. Genau gesagt von Teepulver, das für den Tee für die Teezeremonie verwendet wird. Das klingt nach billig, ist aber ein sehr teurer Tee, da dafür nur die besten Blätter verwendet werden. Dieser Tee heißt übrigens Macha (gesprochen wie Ma’tscha, geschrieben auf Japanisch 抹茶). Normalerweise wird er aufwendig bei der Teezeremonie mit richtigem Teepulver und nicht zu heißem Wasser mit einem speziellen Bambuspinsel gequirlt, bis das Pulver aufgelöst ist. Es gibt ihn aber auch in Japan in moderner Form, insbesondere als Macha Latte in jedem Supermarkt im praktischen Portionstütchen zu kaufen. Man muss nur noch heißes, egal wie heiß, Wasser drübergießen. Der interkulturelle Konzern Starbucks hat in Japan sogar Macha Latte im Programm. Nicht schlecht, aber etwas zu süß für meinen Geschmack. Ich schweife ab …

Zurück zum Baumkuchen. Unser Baumkuchen heute ist rot. Also enthält er Erdbeeren. Na ja, nicht ganz. Nur Erdbeer-Marmelade. Aber er schmeckt nach Erdbeeren. Sehen wir daher über den Mangel an richtigen Erdbeeren großzügig hinweg. Der Erdbeergeschmack ist sogar ziemlich stark. Wer Baumkuchen, der nach Erdbeeren schmeckt, mag, wird damit zufrieden sein. Er ist auch nicht trocken, was mir immer wichtig ist.

Die Verpackung ist nett. Sie spricht wahrscheinlich weibliche Käufer an: Der Kawaii-Faktor ist ziemlich hoch, was die Verpackung für diese Konsumentengruppe in Japan attraktiv macht. Wir finden auch wieder den englischen Lesetext, den es zuvor bei dem Butter-Baumkuchen gab. Es handelt sich nämlich um den gleichen Hersteller.

Ferner ist auffällig, das dieses Mal die deutsche Herkunft des Wortes Baumkuchen nonchalant verdeckt wird. Denn wenn schon das lange englische Wort strawberry benutzt wird, kann man nicht auch noch das lange deutsche Wort baumkuchen hinzufügen (Bei butter baumkuchen war es gerade noch akzeptabel.) So wird einfach mit baum abgekürzt. Japaner lieben Abkürzungen. Die japanische Beschriftung bedeutet jahreszeitlich begrenzt (kisestu gentei 季節限定). Also zugreifen solange der Baum noch verfügbar ist und abwarten, was die nächste Jahreszeit bringt. Ich bleibe dran.

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